Tipps für Eltern zum Umgang mit Alkohol bei Kindern und Jugendlichen in der „jecken“ Zeit

29Jan10

Kinder und Jugendliche sind neugierig auf den Geschmack und die Wirkung alkoholischer Getränke. Die Clique und auch die Medien vermitteln die Botschaft: „Zum richtigen Feiern gehört Alkohol dazu“. Es entsteht der Eindruck von „je mehr Alkohol, desto lustiger“.

Gerade in den Karnevalstagen sind Jugendliche besonders gefährdet. Wenn aus Lachen Lallen und aus Schunkeln Schwanken wird, hört der Spaß im Karneval ganz schnell auf. Das x-te Kölsch, noch ein hochprozentiger Schluck und plötzlich steht die Clique nicht mehr am Rosenmontagszug, sondern am Erste-Hilfe-Zelt. Alkohol im Karneval? Was können Eltern tun? Damit Kinder und Jugendlichen den Karneval unbeschadet überstehen, kommt Ihnen als Eltern eine sehr wichtige Rolle zu.

Auch im Karneval gilt: Eltern, Erzieher, kurz alle Erwachsenen, sind Vorbilder.

Kinder beobachten nicht nur im Karneval sehr genau, wie in der Familie oder im Freundeskreis gefeiert und getrunken wird. Vor einem Gespräch mit Ihren Kindern sollten sie sich unbedingt mit Partnerin oder Partner absprechen und sich auf eine gemeinsame Haltung einigen. Nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch.

Im Folgenden 11 Tipps (nicht nur) für die Karnevalstage:

    • Zögern Sie den Konsum möglichst lange raus
      Im Karneval konsumieren Jugendliche oft das erste Mal alkoholhaltige Getränke. Flirten und Feiern gehen aber auch ohne Alkohol. Die Forschung belegt: Je später der Einstieg desto früher der Ausstieg.
    • Zeigen Sie Interesse
      Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist ein Gruppenphänomen, besonders an den „TollenTagen“. Interessieren Sie sich für die Feierpläne Ihres Kindes. Es ist gut zu wissen, wer die Freunde Ihrer Kinder sind, wo sie sich aufhalten und was sie machen.
    • Treffen Sie Verabredungen
      Die Freundesgruppe kann auch ein Schutz für Ihr Kind sein. Wenn Sie der Clique ihrer Kinder nicht vertrauen, sollten Sie die Eltern der Freunde/Freundinnen kontaktieren und Regeln sowie Verabredungen treffen. Knüpfen Sie ein Elternnetzwerk.
    • Setzen Sie klare Grenzen
      Ihr Kind braucht klare Grenzen, damit es lernen kann, mit Alkohol verantwortungsvoll umzugehen. Finden Sie für Ihre Familie passende, verbindliche Regeln.
    • Seien Sie konsequent und loben Sie
      Besprechen Sie im Vorfeld mit Ihrem Kind, welche Folgen eine Regelverletzung hat. Wichtig ist, dass Sie konsequent bleiben und angedrohte Sanktionen auch durchsetzen. Lob beim Einhalten der Regeln ermutigt Ihr Kind.
    • Hören Sie zu
      Versuchen Sie den „richtigen Ton“ zu treffen. Interessieren Sie sich für die Meinung Ihres Kindes und für die Rituale der Gleichaltrigengruppe. Hören Sie zu, damit Sie wirklich erfahren, was Ihr Kind denkt.
    • Geben Sie sachliche Informationen
      Erklären Sie Ihrem Kind, dass es Situationen gibt, in denen der Konsum alkoholhaltiger Getränke unabhängig vom Alter lebensgefährlich ist, z.B. im Straßenverkehr (auch als Beifahrer, mit Mofa oder Fahrrad). Klären Sie darüber auf, dass es beim schnellen Konsum einer großen Menge Alkohol zu einer Alkoholvergiftung mit Unterkühlung, Erbrechen und Erstickungsgefahr kommen kann.
    • Klären Sie auf
      In einer Studie mit jungen Mädchen hatten knapp 50 % der Gruppe, die über sexuelle Übergriffe berichtete, zuvor Alkohol konsumiert. Informieren Sie Ihre Kinder über die Gefahren und Folgen ungeschützten Geschlechtsverkehrs.
    • Reden Sie
      Untersuchungen belegen, dass Jugendliche in betrunkenem Zustand zu aggressivem Verhalten neigen können. Ca. 1/3 jugendlicher Straftäter waren bei der Tat alkoholisiert. Weisen Sie sie darauf hin, dass auch die eigene Gewaltbereitschaft unter Alkoholeinfluss stark zunehmen kann.
    • Bewahren Sie Ruhe
      Bleiben Sie ruhig, wenn Ihr Kind betrunken nach Hause kommt. Klären sie, ob Ihr Kind „angeheitert“, betrunken oder kurz vor einer Alkoholvergiftung steht. Bleiben Sie bei Ihrem Kind, auch wenn es schläft und überwachen Sie regelmäßig seinen Zustand. Ist Ihr Kind nicht ansprechbar, nicht zugänglich oder sehr aggressiv – Notarzt anrufen.
    • Nehmen Sie Kontakt auf
      Bleiben Sie in der Karnevalszeit mit Ihrem Kind im Gespräch, zeigen Sie Interesse und lassen Sie den Kontakt nicht abreißen. Auch wenn Sie selbst unterwegs sind, sollten Sie für Ihr Kind erreichbar sein. Und zum Schluss: Holen Sie sich Rat (s. Kontakt), wenn Sie nicht weiter wissen!

Diese Tipps als PDF 11er Rat – Tipps für Eltern.

Kontakt:
Die 11er-Rat – Hotline
Drogenhilfe Köln gGmbH

11.02.10 (Weiberfastnacht)
12.02.10 Freitag
17.02.10 (Aschermittwoch)
:

09:00 -13:00 und 14:00 – 16:00 Uhr
(02233) 70 92 59
oder (02233) 99 444 15

16.02.10 Dienstag:

09:00 – 13:00 und 14:00 – 16:00 Uhr
(0221) 91 27 970

Herrausgeber: Drogenhilfe Köln
Fachstelle für Suchtprävention
Hans-Böckler-Straße 5
50 354 Hürth

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4 Responses to “Tipps für Eltern zum Umgang mit Alkohol bei Kindern und Jugendlichen in der „jecken“ Zeit”

  1. Soweit gute Tipps. Es gibt noch eine gesellschaftliche Dimension. Das schlechte Beispiel der Gesellschaft verlangt eine politische Auseinandersetzung mit dem Thema. Es braucht aufgeklärte Eltern, die merken, wie wir alle von der Alkoholindustrie in Geiselhaft genommen werden und als Passivtrinker unter den Schäden leiden und sie auch noch bezahlen. Solange die Politik keinen Druck aus der Bevölkerung spürt, wird sich nichts ändern. Mehr unabhängige und kritische Information auf www. alkoholpolitik.ch.

  2. 2 Riddick

    Zu 1. Ich hab eher die gegenteilige Erfahrung gemacht. Ich fing mit 13 an und konnte mich dadurch schon mit 14 einschätzen. Im gegensatz zu den die mit 17 das erste mal harte waren und gleich im Krankenhaus gelandet sind, weil die nicht wie ich mit bier sondern mit wodka begonnen haben. Dieser punkt ist aber sehr streibar, gebe ich zu. Ist von Fall zu fall sicherlich unterschiedlich
    Zu 2. Son quatscht, wenn ihr kind merkt das sie es aushorchen wollen, wird es ihnen einfach irgendeine scheisse erzählen. Sprechen sie es dann drauf an,das es doch gar nicht da war wo es gesagt hat, wird es wahrscheinlich richtig sauer werden und berechtigter weise frage warum sie ihm hinterherspionieren.
    Zu 3. Wenn sie das tuen haben sie mindestens für den Rest der Pubertät einfach mal verloren! Ihr Kind wird sie dafür hassen und vielleicht nochmehr scheisse anstellen um sich zu rächen.
    Zu 4 und 5. dem kann ich mal halbwegs zustimmen.
    6. Scheisse nur das die meisten gar keinen bock haben mit ihren eltern zu reden.
    7. Ja sowas kann man mal machen aber nur einmal und nicht ständig belehren, das führt nur zum gegenteil
    8. Zum ersten teil ja ist ne gute idee. Zum zweiten teil: Mein Gott ist ihre Jugend so lange her? Hatten sie lust mit 15 mit ihren eltern über Sex zu reden? Ich kenne keinen der sowas gern getan hätte. Sowas ist den kids einfach nur unglaublich peinlich und bringt gar nichts weil sie die hälfte der zeit damit beschäftigt sind, zu überlegen wie sie dieser grausmen situation entfliehen können anstatt ihnen zuzuhören. Ausnahmen bestätigen die regel.
    Zu 9.) Ach und wir erwachsene nicht?
    Zu 10.) Wenn es eine Alkoholvergiftung hat, werden sie es schon merken denn dann kommts in der Regel nicht nach hause sondern ins Krankenhaus(Wenn die anwesenden freunde halbwegs normal im kopf ist). Aber wenn es sich torkelnt ins bett schleift, keine sorge. Er wírd maximal ins bett kotzen und friedlich weiter schlafen(Aber wenn sie das hören, gucken sie lieber mal nach, nicht das er/sie dran erstickt).
    Zu 11.) Um Gottes Willen bitte nicht. Ihr teenie geht aus dem Haus um weg von ihnen zu sein und nicht damit sie „intresse zeigen“ und ihm auf den sack gehen.

    Dieser Artikel ist einfach mal an der Realität vorbei. Immer dieses „Reden sie mit ihm“. Es ist doch am einfachsten wenn man sich an seine eigene Jugend zurückerinnert und ich glaube nicht das da irgendjemand lust hatte, die eigenen probleme ständig mit den Eltern zu klären. Das ist doch der Sinn der Pubertät, dinge alleine bewältigen zu können. Wenn was kräftig falsch läuft wird ordentlich dazwischen gehauen. Wenn die Schulnoten halbwegs stimmen und er keine anzeichen von Drogensucht(damit meine ich eine wirkliche Sucht und nicht mal ein zwei tüten) hat oder ständig anzeigen kommen wird das schon ein anständiger mensch werden

    • Hey Riddick! – Coole Sache, Deine Analyse gefällt mir.
      Ich denke, reden und Interesse zeigen ist möglich, wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Kind in Ordnung ist, d.h. schon immer kommunikativ offen war. Und zwar auf einer Augenhöhe, nicht von oben herab seitens der Eltern.

      Wenn in der Familie keine offene Kommunikation die Regel ist, dann helfen viele der obigen Punkte tatsächlich nicht – dann kommt das Nachfragen und plötzliche Interesse der Eltern garantiert schief rüber.

      Dein Fazit gefällt mir gut, ich stimme damit vollkommen überein. Es kommt am Ende immer auf die Balance an und darauf, was für ein Mensch schliesslich herauskommt.

      • 4 Riddick

        Wow also das mir dabei noch Zustimmung wiederfährt hätte ich nicht gedacht. Vielen dank dafür.


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