Wird Zeit für Drum & Bass

30Sep10

Drum & Bass – das waren Zeiten meines Tanzwahns. Nach dem jahrelangen Besuch eines Ballettinternats, direkt nach der abiturbedingten „Entlassung“, stürzte ich mich in die Partyhöhlen Kölns. Die Partys liefen damals, ums Jahr 2000 herum, eher 90er, ganz umweltfreundlich auf Drum & Bass-Basis. Asian Dub Foundation standen für mich noch auf gleicher Stufe mit Nirvana und Pearl Jam. Und meine damalige Freundin sagte immer „komm, lass uns zappeln gehen“, wenn sie Tanzen meinte. Und ich hasste es, wenn sie das sagte. Weil erstens, so eine Formulierung voll landeimäßig war, und zweitens, ich als ausgebildeter Tänzer niemals zappelte, höchstens wenn es Teil der Choreographie gewesen ist. Sie hingegen zappelte, das stimmt allerdings.

Asian Dub Foundation hatte einen Auftritt in Köln, war’s die Live Music Hall oder das Underground?, – ich weiß es nicht, weil ich dieses Konzert auch verpasst hatte. Aber meine Freundin ging hin. Zwei Tage später, als ich sie wieder gesehen habe, erzählte sie mir, wie geil es gewesen sei. Der süße Frontmann sei sogar nach dem Konzert an der Bar aufgetaucht und habe dort Bier getrunken. Und zufällig hätte er sich genau neben sie gestellt. Und irgendwann fingen sie sogar an, sich zu unterhalten, erzählte sie stolz. Ach ja, und worüber?, hatte ich gefragt. Hauptsächlich über Musik und Sex, hat sie geantwortet. – Aha, und wie ist seine Meinung zu Musik und Sex?, fragte ich. Er sei offen für alles, sagte sie. Nach einem kurzen nervösen Rumgezappel eröffnete sie, sie sei mit ihm in dieser Nacht auf sein Hotelzimmer mit. Ich solle das aber nicht so ernst nehmen, das sei bloß ein Prestigefick gewesen, und hätte Null Bedeutung auf ihre Gefühlswetterlage mir gegenüber. Ich möge das bitte verstehen, wie oft ergäbe sich schon eine Gelegenheit, so eine Persönlichkeit des hochkulturellen Lebens zu bumsen?

Kein Vorwurf an Deeder Zaman, den Frontmann, der damals etwa 19 oder 20 gewesen sein muss. Meiner damaligen Freundin habe ich gesagt, sie solle das nicht persönlich nehmen, aber unsere Beziehung sei an diesem Punkt vorbei, das hätte jedoch Null Bedeutung auf meine Gefühlswetterlage ihr gegenüber, ich empfände weiterhin viel für sie, nur dass diese Gefühle eben jetzt negativ seien. Sie möge ihre im Prestige gestiegene Vagina nehmen und auch sonst alle ihre Sachen packen, und versuchen die nächste Straßenbahn zu erreichen.

Eigentlich wollte ich nur auf dieses ausgewogen gestaltete Drum’n’Bass-Video hinweisen, das das beste ist, was dieses Genre seit Jahren hevorgebracht hat. Meiner bescheidenen Meinung nach. Aber wie das halt so ist mit der Musik, – manchmal spült sie längst vergessen geglaubte Erinnerungen wieder hoch.

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4 Responses to “Wird Zeit für Drum & Bass”

  1. 1 spanksen

    Boah, ich liebe einfach diese Wilden Beats. Drum&Bass, Breakbeat und Jungle – was haben wir damals gefeiert – danke für den Track. Musste auch gleich nochmal einen rausholen 😉

    • Das Stück kenne ich auch noch. – Mann, das Zeug ist so unglaublich tanzbar! 🙂

  2. Hm nee, war und wird nie so meins … Aber „Prestigefick“ ist ein tolles Wort, also nur das Wort, was ich von solchen Frauen halte, erzähle ich mal bei Gelegenheit an anderer Stelle, pffft, unbegreiflich.

    • Wörter erfinden finde ich spannendlich.
      …. und das Thematische, man kennt es: es gibt nichts, was es nicht gibt, nichts ist unmöglich, alles fließt, jeder ist seines Glückes Dieb, und … mehr Reduktionismen fallen mir gerade nicht ein …
      😀


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