Ich bin wieder dada

13Jul11

Kurt Schwitters war Held meiner frühen Twen-Phase. Zwischendurch fand ich den Eklektizismus eine coole Sache. Dieser Post wird von beidem etwas.

Was inzwischen geschah:

1. Ich war beruflich anderthalb Monate in England. Da mein Stundensatz darauf ausgelegt ist, dass ich mit 40 in Rente gehen kann, wollten sie mich nicht länger behalten, „so gern sie es auch getan hätten“. Die Firma hatte mir einen zu großen Opel zur Verfügung gestellt, – auf der Insel heißen sie nicht Opel, was mir komischerweise beim Fahren ein besseres Gefühl gab.
Gewohnt habe ich auf dem Land in einem Cottage von 1706 (s.u.). Ich hatte dort ein Zimmer gemietet. Das ältere Ehepaar war freundlich – wobei ich den Mann nur 2 Mal in 6 Wochen gesehen habe; bei der Ankunft hat er mich freundlich begrüßt und bei meiner Abfahrt ebenso verabschiedet. Die Lady des Hauses war stets um mein Wohlergehen bemüht und für mein Frühstück verantwortlich. Ihr Humor war trocken wie eine Pflaume, weswegen wir uns gut verstanden haben. Als ich sie bat, ein paar Flaschen Biers in ihren Kühlschrank zu stellen, fragte sie, frech grinsend, ob ich nicht Angst hätte, sie tränke alles selbst. Ich antwortete, dass ich nicht glaubte, sie vertrüge Alkohol. Abends, am Karpfenteich im Garten sitzend, haben wir das Sixpack zusammen gekillt.
cottage, cotswolds

2. Auf dem Wochenmarkt einer englischen Mittelstadt, nennen wir sie der Einfachheit halber beim Namen: St Albans, habe ich einen Stand gesehen, der zwischen Gurken und Lederwaren Webseiten verkauft. Damit Ihr nicht denkt, ich löge, habe ich Beweismittel mitgebracht:
Webseiten-Verkauf auf dem Wochenmarkt

3. Meine ehemalige Ex lädt mich zu ihrer Hochzeit ein. Als ich bei der Zeremonie ankomme, sehe ich, dass meine aktuelle Ex ihre Trauzeugin ist. Dass sie sich kannten, wusste ich, aber so gut? (Ich möchte anmerken, dass sie sich durch mich kennen.)
Der Bräutigam war nett, schaute mich aber komisch an, als ich mit der Braut einen elfengleichen Tanz hingelegt habe. Ich gebe zu, wir tanzten wie besoffene Elfen. – Als ich um 3:00 Uhr vollkommen voll in ein Taxi stieg, plauderte ich ein wenig mit dem Chauffeur. Auf meine Frage, ob er die Eltern des Bräutigams kennte – Hochzeit war in ihrem Heimatdorf, ein Heimatidyll, in dem jeder jeden kennt – sagte er wörtlich: „Der Vater ist ein böser, böser Mann.“

4. Ich hatte eine Frau kennengelernt – leider hatte ich ihre großen Augen mit einer großen Seele verwechselt. Schon nach zwei Wochen hatte ich festgestellt, dass sie von mir nur das eine wollte: Mich nerven. „Manchmal könntest du dich schon ein wenig anders verhalten“, hat sie hin und wieder angemerkt – immer als Randnotiz, nie Frontalangriff, deshalb habe ich nicht sofort gecheckt, worauf sie hinaus wollte. Ich könne ja schon weniger rauchen – sie könne vertsehen, dass ich meist nur rauchte, wenn ich Alk trank, aber ich tränke auch zu viel. Manchmal machte sie „witzige“ Bemerkungen über meine Musik: Ich könne mich nicht entscheiden, sagte sie, manche meiner Platten hätten zu viel Text und manche gar keinen Gesang – ob ich nicht irgendwas in der Mitte hätte?
„Kennen wir uns?“, habe ich daraufhin gedacht. Gesagt habe ich allerdings: „Süße, geh kacken.“ Und sie ging.

5. Ich bin in einem Alter, in dem ich dauernd Hochzeits- oder Junggesellenabschiedseinladungen bekomme. Im Zuge dessen bin ich neulich auf einem Abschiedspartyschiff gelandet. Ein Kumpel hatte sich beim Tanzen so verletzt, dass er eine Sanitäterin zur Behandlung hinzuzog. Ich fand ihn mit seinem Aua-Getue so süß, dass ich den Moment für die Nachwelt festhalten wollte. – Da faucht mich die Sani so heftig an, ich dürfe keine Fotos machen, dass das Bild sich vor Schreck verwackelte.
sanitäterin

6. Letzte Woche ging ich zu einem Laden, wo ich meine Hemden zu kaufen pflege. Steht da in großen Buchstaben: WIR SCHIESSEN. Geistesgegenwärtig sprang ich zur Seite, rollte mich geschickt ab und atmete tief durch. Bis heute lebe ich noch.

Wir schießen

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7 Responses to “Ich bin wieder dada”

  1. 1 Huffel

    Mannmann, da hast Du ja eine Menge erlebt und freue mich, dass du endlich wieder hier bist. 😉
    PS: Opel (oder wahlweise Vauxhall) fährt man nicht, die schrottet man nur. :mrgreen:

    • Da ich zum ersten Mal im Leben im Linksverkehr unterwegs war, hätte es mich nicht überrascht, wenn ich den Vauxhall bei der erstgünstigen Gelegenheit geschrottet hätte. – Leider ist aber nix passiert. 😀

  2. Oha, heute war auch mein geplanter Tag für die Blogrückkehr, das wirkt ja wie abgesprochen 😉

    1. Hehe, sehr geil!
    2. Herrlich, was sollten die Websites denn so kosten?
    3. Dörfer und Kleinstädte sind so gruselig … erst vor ein paar Tagen unterhielt ich mich auf der Ladeneröffnung meines besten Freundes bestens mit einem alten, sehr spannend vielseitig gebildeten Mann … und nach einer Stunde merken wir, dass ich mal vor Jahrzehnten bei seiner Tochter im Garten zwecks Kindergeburtstag war …
    4. Lieber beiße ich mir die Finger ab, als das zu kommentieren … ohaohaoha, wo treiben Sie sich nur wieder rum?
    5. Harhar!
    6. Darf ich das haben, bitte bitte bitte?? GENIAL!!

    Die Poesie-Woche lastet inzwischen schwer auf meinem schlechtes-Gewissen-immer-noch-nicht-geschafft-Konto … ich gebe die Hoffnung nicht auf! Wollt ich nur so gesagt haben. Trotzdem schön, dass wir zeitgleich wieder da sind. Ich glaube, ich habe noch nie irgendwo derart lang kommentiert. Man könnte nun auch mal aufhören. Aber die Blogabstinenz war so lang. Und ist so schön, wieder mitzumischen. Hach seufz. Der Zivi sagt, ich soll endlich aufhören. Na gut. Hmpf.

    • Hahaha – ein witziger Kommentar!
      Ich find es auch lustig, dass sich manche Dinge parallel entwickeln: Der südamerikanische Beutelwolf und der europäische Wolf, die Stromlinienform bei Pinguin und die gleiche bei Delphinen, Du bloggst wieder, ich blogg wieder …

      Zu 6.
      Natürlich darfste das. Als ich das Foto gemacht habe, was glaubst, wer mir da unweigerlich in den Sinn gekommen ist? Richtig, die Lektorin. 😀

      @Poesie-Woche – Ich weiß doch wie das ist. Machen Sie sich keinen Stress, Frau Poetistin. Sammeln Sie erst in aller Ruhe, und im Herbst oder Winter, wenn das Wetter ungemütlich ist und nach Poesie schreit (also eigentlich wie jetzt), machen Sie die Gedichte ins Netz reinkippen tun. z.B. so eins:

      Das ästhetische Wiesel

      Ein Wiesel saß auf einem Kiesel,
      Inmitten Bachgeriesel.
      Wisst ihr weshalb?
      Das Mondkalb verriet es mir, Im Stillen:
      Das raffinier-
      te Tier tat’s um des Reimes willen.

  3. 5 schattenzwerg

    welcome back mein lieber, schöne anekdoten hast du uns von den thommys mitgebracht

    • Haha, sehr lustig. Der Wischmeyer war mir bisher kein Begriff. 😀

  4. 7 Spanksen

    Melde mich schnell aus dem Urlaub, schön das du wieder da bist digga!!!

    Zu 3. Dat wäre auch ein genialer Filmstoff
    Zu 4. Süße, geh kacken? :mrgreen: Alles richtig gemacht, Frauen die „witzige“ Bemerkungen über meine Musik machten hab ich auch direkt vor die Tür gesetzt 😉


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