Zurück ausm Urlaub bzw. Platz 1 des Science Slam bzw. Agilitätsrennen*

14Mrz12

Endlich ist der Urlaub vorbei. Schweizer Berge sind ja nichts Echtes. Massiv, ja. Kalt, ja. Wenn man sich in einer Schussfahrt von einer übersehenen Beule hinaushebeln lässt, tut es weh, ja. Aber echtes Leben ist es nicht. Sogar das Personal der Bergrestaurants, Chalet-Putzschranzen und coop-Verkäuferinnen sind nur vorübergehend vor Ort. Aus Frankreich und Portugal für die Saison eingestellt. Die Skilehrer kommen aus Basel oder Bochum.

Frühstück
Frühstücksbuffet nach der ersten Nacht

Zwei Wochen lang ständig beurre mit bière verwechselt. Die Einheimischen sprechen Deutsch als Zweitsprache. Aber von denen war niemand da. Portugiesen und Franzosen. – Und Touristen aus der Schweiz. Diese waren natürlich nicht zu Diensten. Und erzähl mir niemand, ich solle die Sprache eines Landes lernen, das ich ein Mal für zwei Wochen besuche. Außerhalb dieses Urlaubs fühlte ich mich noch nie genötigt, diese Sprache zu gebrauchen. Nach Französisch-Guayana komme ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Gut, ich war zwei Mal in Südfrankreich. Seltsamerweise sprechen sie dort hervorragend Englisch, wenn man ihnen erst mal klar gemacht hat, dass Englisch das einzige Französisch ist, das man beherrscht.

„A bottle of water, please.“
„Comment?“
„Ähm … Moment, ich habs gleich … Ün butäil de watére, … bitte.“

Solcherlei Gespräche in einer Tour. Peinigend für den Gast einer Bergschenke, vor allem, wenn von hinten bereits die nächsten durstigen Gäste nachdrängen.

Wenn schon nicht die Sprache der Gastarbeiter, was habe ich dort gelernt? Petra, die Skilehrerin aus Basel, deren Dienste ich nicht im eigentlichen Sinne in Anspruch genommen habe, da mir das Skifahren von Geburt an im Bier liegt – zumindest keine Dienste, für die ich hätte bezahlen müssen; erzählte mir verschämt, was Schweizer über Deutschland sagen, wenn keine Deutschen zugegen seien, und ich solle es um Gottes willen nicht falsch verstehen und schon gar nicht weiter sagen. – Was hat sie sich beim Damit-Rausrücken geziert … Gott, war die süß.

… […] … Ach so, ich wollte ja noch schreiben, was ich auf keinen Fall weitersagen durfte, – „Sagen“ kann man von „Schreiben“ nicht sagen, und davon war schließlich nie die Rede, weshalb ich frank und frei ihre Worte wiedergebe, ohne den Hauch eines Anflugs von Wangenröte zu verspüren: „Schweiz“, sagte sie gesenkten Blickes, „wäre das perfekte Land, wenn Deutschland unter Wasser wäre.“

– Wer wollte da widersprechen! Und deshalb hast du dich geziert? Gott, biste süß.

Andererseits: wäre Deutschland unter Wasser, wäre die Schweiz voll von Deutschen. Das kann den Schweizern noch weniger gefallen als eine Schweiz ohne Marine. Darauf konnten wir uns völkerverständigungsmäßig einigen. Darauf und auf die Tatsache, dass die Schweiz nur dann ein wirklich schönes Land wäre, wenn es in Frankreich läge.

Wenn Ihr mich fragtet, wo ich meinen nächsten Winterurlaub verbringen würde, dann fiele meine Antwort vermutlich wie folgt aus: In der Schweiz natürlich!

*Ich leide schon lange an Überschriftenfindungsstörungen.

Epilog**

Wer so viel Text nicht lesen möchte oder aufgrund eines angeborenen Analphabetismus nicht kann, oder den Text nachträglich scheiße findet, dem empfehle ich die zwei lustigen Filmchen, die zudem visuell viel anspruchsvoller sind als ein Text. Den ersten Film könnte man mit „Darm mit Charme“ übertiteln, den zweiten vielleicht „Not durch Kot“.

**Wie Ihr inzwischen gesehen habt, ist es kein Epilog im Sinne der Stilechtheit. Ist eher ein Nachwort. Aber ich finde Nachworte genauso fad wie Vorworte, daher der Etikettenschwindel; – was tut man nicht alles, um Leute dazu zu bringen, wenigstens das erste der Videos sich anzuschauen. Tut es!

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19 Responses to “Zurück ausm Urlaub bzw. Platz 1 des Science Slam bzw. Agilitätsrennen*”

  1. 1 ein kollege

    DU OPFER!+!
    😉

  2. 2 phanta

    Sei froh, dass du Skifahrn im Bier hast. Stell dir vor, ich habs im Blut. Drum ist mir mal so ein Volldepp in meinem jherrlichen Schuss gerast und hat mir dasselbige in Litern spritzen lassen. Glaub mir, Bier wär mir verdammt viel lieber gewesen… 😉

    • Und dabei verträgst du nicht mal Alkohol! 😮

      • 4 phanta

        Naja, ich leide eigentlich weniger darunter als mein Umfeld. Und ein geiles Schmerzmittel ist es ab einem gewissen Pegel allemal… Zumindest sollte man nie nüchtern Skifahrn…. Schmerzprophylaxe ist alles! Egal ob mans kann oder nicht. Blöde gibts überall und irgendwie muss man sich ja schützen… aber ich fahr aus „Bergschutzgründen“ seitdem eh nicht mehr… Edel, gell??? 😀

      • War ja klar, dass du wieder edel bist! 😉

  3. 6 schattenzwerg

    welcome back … sieht aber so aus, als hättest du ne gute zeit gehabt und wieso hast du die schweizer vermisst … von denen gibts halt auch nur ne handvoll 😉

    • Danke! – Du hast Recht, man sieht nur noch wenige Schweizer heutzutage. :mrgreen:

      • Das freut mich aber sehr, dass dir dein Urlaub (oder wie wir Schweizer sagen würden: Ferien) in der Schweiz gefallen hat. Das nächste Mal vielleicht in Zermatt oder so? (Da spricht man übrigens Deutsch.)
        Es grüsst herzlich: eine dieser Raritäten.

      • Zermatt steht tatsächlich für nächstes Jahr an. Habe schon viel Gutes darüber gehört, von glaubwürdigen Zürchern. – Bettmeralp soll allerdings auch allerliebst sein. Ich schwanke noch ein wenig. 🙂

        Ps: „Ferien“, echt? Ein komisches Wort, noch nie gehört. Ihr seid ja echt unique. :mrgreen:

      • Also, ich bin definitiv für Zermatt. (Um fair zu bleiben, muss ich dazu sagen, dass Ich ursprünglich von da komme und darum nicht ganz unvoreingenommen bin.) 😀
        Erst nächstes Jahr? An Ostern hat’s da noch Schnee und ist eigentlich die beste Zeit für Färiä. Na? Looos!

      • Ostern ist leider schon von langer Hand verplant. – Blöde lange Hand!

  4. 12 Emily

    Na, es scheint mir, als hättest du dich mal gut erholt und Spaß gehabt. Darauf kommt es an, oder? Nebenbei hast du andere Sprachen geübt, deinen Körper sportlich gezüchtigt und geographische Theorien ausgetauscht.
    Und nun, herzlich willkommen zurück 🙂

    • Danke, Emily! – Ja, war durch und durch ein hübscher Urlaub.

  5. 14 ein kollege

    Stellt sich gerade die Frage: Warum läufst du in der Firma nie mit dem schwarzen Nagellack rum?

    • Ich will dich nicht heiß machen.

      • 16 ein kollege

        dann müsstest du endlich das seidig glänzende haupthaar kürzen. macht nicht nur sacksen paule wuschig.

  6. Trotz allem hast du dich wohl prächtig amüsiert, sonst wäre es wohl kaum zu diesem äußerst amüsanten Artikel gekommen. Solltest du dich aber doch zukünftig gegen die Schweiz entscheiden, dann verlebe deinen Urlaub das nächtes Mal halt auf Malle, da spricht man Deutsch und du fühlst dich fast wie zu Hause. Also kannst du auch gleich deine Erholung auf Balkonien verleben. :mrgreen:
    Alternativ zu deinem geilen Urlaub kann ich dir noch die Niederlande im Sauerland empfehlen. Winterberg, voll in holländischer Hand. Auf einen Sauerländer triffst du allerdings auch eher selten. ^^

  7. Peinigend für den Gast einer Bergschenke, vor allem, wenn von hinten bereits die nächsten durstigen Gäste nachdrängen…

    Hey, das ist ja genau wie bei uns in der Sansibar :mrgreen:

  8. Gott, wie süß! Und ich fürchte mich zu sehr vor den Videos, ich möchte mir so ungern die angenehme Nachwirkung des Textes versauen … sehr gelungen! 🙂


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