Ein Märchen aus dem Montagmorgenland

16Jul13

Montags um halb zehn im Feienlande sitzt König Gunderlund, der Erste Knecht des Landes, Diener aller Feien und Butler der Vereinigten Völker des Montagmorgenlandes dem Wochenauftaktmeeting vor. Es geht um Großes. Es gilt, das Ausmaß der diplomatischen Verwicklung zu bestimmen und, wenn möglich, zu entwirren und den Aufwand einzuschätzen. Es geht um Krieg und Frieden.

Doch zunächst schleppen elf Einhörner den König in den Großen Ratssaal, keine zehn würden es schaffen, ein gezähmter Ork rollt ein Fass frisch gebrühten Niederland-Kaffees herein, jemand, den der König oft übersieht, bringt einen Laib luftgetrockneten Zwergenbrotes aus den Höhlen der Schwarzwarzen zum Tunken.

Nach einem Wink des Königs eröffnet Eäurlund, Problemminister in 35. Generation, das Wochenauftaktmeeting mit unfreundlichen Nachrichten:
“Gebieter, es haben sich Kundennen-Horden an der Ostgrenze des Feienlandes versammelt, sie drücken in Flußbrück auf die Stadttore, und sie …”

„Nun sprich er schon, was tun sie?“
„Sie pochen!“
„Sie pochen?“
„Sie pochen.“, sagt der Problemminister mit glasiger Stimme. „Wir müssen Truppen senden oder Friedenshändler, – was ist zu tun, Gebieter?“

„Man reiche mir endlich den Krug mit dem Kaffee. Schluckstaub!, hat er das Brot inzwischen in possierliche Happen geteilt?“

„Ja, Gebieter, das Brot ist gebrochen in handbreite Teile, wie’s eurem Geschmacke gereicht.“, fast schreiend antwortet Schluckstaub von Minenfeld, Zwerg und für Gebäck- und Erzverarbeitung zuständig. Eine nervöse aber laute Type, wie es seine Größengenossen oft sind.

„Nicht so laut, Schluckstaub.“, gebietet König Gunderlund leise, und drückt mit den Fingerspitzen die Stirn wie um Kopfschmerzen wegzureiben.

„Was sollen wir …?“, hebt der Problemminister wieder an.

„Schweig! … autsch … Ich habe noch keine drei Kaffee getrunken, und er bedrängt mich schon, laut zu werden, Mann. Hat er etwa nie Eltern gehabt, Eäurlund?“

„Doch, Gebieter, Uäerlund, Problemminister in 34. Generation, war mein Vater. Es sind nun 5 Jahre her, seit er sich an einem Kundennen versucht hat. Seitdem lebt er zurückgezogen auf dem Land, wo er Brennholz züchtet. Meine Mutter ist die ehrwürdige Nutteoberin im Kloster zu Puffenhofen im westlichen Gebirgszug unserer …“

„Er soll nicht ständig meine rhetorischen Fragen beantworten, sag ihm das einer! He da, du, wer ist er?“

„Wer, ich?“

„Ja, du, oder glaubt er, ich habe einen schielen Blick?“

„Nein, Herr Gebieter. Ich bin Angriff-Ist-Die-Beste-Verteidigungs-Minister Krause, Minister in 3. Generation, Herr Gebieter.“

„Erst in dritter? Kein Wunder, dass ich dich hier noch nie gesehen habe. Außerdem soll er den seltsamen Namen wechseln, den kann sich kein normaler Feie merken.“

„Ja, Gebieter, ich gehe heute noch zum Meldeamt.“

„Am besten, irgenwas mit lund am Ende. – Nun sprich, sag dem Problemminister, er solle nicht ständig meine rhetorischen Fragen beantworten.“

„Verehrter Herr Problemminister in 35. Generation, unser Herr und Gebieter, Erster Knecht des Landes, Diener aller …“

„Halte er ein! Sofort! – Das hält ja kein Feie im Kopfe aus, was sind das denn für Umgangsformen unter seinen Kollegen, Mann. Halt dich kurz und grob.“

„Ich bitte um Vergebung, Herr Gebieter. Ich versuch’s gleich noch mal, kürzer und gröber.“

„Ach, schweig er doch itzo, sprich er später mit Eäurlund. Und nun, nachdem er lang genug geschwiegen hat, was sagt er zum Kundennen-Problem am Ostwall?“

„Es ist ein Fluch, den uns die Hexenrabenschwarzen Rabenhexen auf den Hals geschickt haben, Herr Gebieter. Diesen Fluch der wöchentlich einfallenden Kundennen-Horden müssen wir brechen, Herr Gebieter.“

„Ja, ich weiß, – aber wie?“ Der Erste Knecht blickt ins Rund des Ratssaales in dem sich allerlei Feien und andere Völker versammelt haben, feine und gemeine. „Hat jemand dem Rat der Weisen, Feinen und Gemeinen, einen Vorschlag zu entborgen?“

„Wir müssen sie in einer entscheidenden Schlacht zuschanden machen, Gebieter. Solch Barbarenvolk lässt nicht mit sich handeln.“, erhebt Lump von Hohenlund seine Stimme, Berater und Sekretär des Problemministers, und damit dem Range des 8. Sekretärs des Königs gleichgestellt.

Der 8. Sekretär seinerseits ist Viertfeinster Feienmann am Hofe, was in diesem komplexen Kastensystem nicht viel zu bedeuten hat, anhand des alten Feienlandischen Sprichwortes können wir das gut erkennen, dieses lautet wie folgt: „Den Vierten beißen die Hunde.“

Im Feienlande, wo jeder nach Rang und Namen strebt, möchte niemand Vierter sein. Diese Tatsache hat im Laufe der Jahrhunderte dazu geführt, dass der Fünftfeinste Feienmann und die fünf nach ihm am Hofe de facto mehr Respekt erfahren als der Viertfeinste.

„Wir müssen um Frieden verhandeln, Gebieter.“ erhebt Kriech vom Stamme der Baumgroblinge, seines Zeichens Minister für Inneres und Arschlecken.

„Wir müssen das Problem an ihrer Wurzel packen und ihrem Nährboden entreißen.“, spricht die 1. Feiendame am Hofe (an dem traditionellerweise die erste Dame nach dem drittfeinsten Feienmanne kommt. [Diese Tradition will den heutigen und von jeglichem sexistischen Vorurteil freien Kindern nicht gefallen, der Übersetzer hielt kurz inne, wollte schon die Zensursense ansetzen, und diese Tatsache einfach verschweigen. Doch seine gewissenhafte Treue zum Text obsiegte schließlich knapp mit einer Hundertstel Vorsprung. {A.d.R.}]

„Du sprichst Vernunft aus, Lalâdi Erádûnê Dinwe Dina IV, wie immer. So spreche sie weiter!“

„Wir müssen einen Helden aus unserer Mitte in den Immervierten Wald entsenden, die Hexenrabenschwarzen Rabenhexen zu fangen und zu töten, um den Fluch zu lösen.“

„Ja!“
„Stimmt!“
„Hört hört!“

„Ruhe! – Erste Dame am Hofe, du bist fast so gut wie unser drittfeinster Feienmann und besser als unser Viertfeinster,“ [Der Viertfeinste sitzt an der runden Ratstafel und lächelt selig, ob der Tatsache, dass er beinah Beachtung findet.] „doch übersiehst du etwas.“

„Was ist es, Oberster Knecht und Diener?“

„Vernunft ist nichts für Helden.“

Allgemein zustimmendes Gemurmel im Saal.

„Ruhe! – Sieh sie dir an, Dinwe Dina, über all die Ratssitzungen der letzten Jahrzehnte sind allesamt aus unserer Mitte weise und vernünftig geworden. Stimmt’s?“

„Ja!“
„Stimmt!“
„Hört hört!“

„Ruhe! – Sie wissen, dass sie hinter Stadtmauern und in Ratskellern, wo sie kein Licht trifft, besser gedeihen und länger Früchte tragen.“

Lalâdi Erádûnê Dinwe Dina IV schaut in die Runde und sagt nichts mehr, da sie zugeben muss, dass der König Recht hat. Nur noch die Ohren der weisen Feien sind spitz, Bauch und Backen sind rund wie Südlandkürbisse.

„Was sollen wir also tun, Gebieter?“, fragt Problemminister Eäurlund.

König Gunderlund, der Erste Knecht des Landes, Diener aller Feien und Butler der Vereinigten Völker des Montagmorgenlandes sinkt in sein Sitzungsgestühl und überlegt. Schließlich sagt er:
„Verstärkt die Tore und besetzt die Wälle mit unseren besten Langbogenschützen! – Wir warten auf den Dienstag.“

„Wie jeden Montag, Gebieter?“

„Wie jeden Montag, Eäurlund. – Björk, du nichtsnutziger Ork, das Fass ist schon wieder leer!“

(Aus dem Feiischen übetragen von Wischmund Wirr)

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4 Responses to “Ein Märchen aus dem Montagmorgenland”

  1. 1 phantadu

    Sensationelle Übersetzung, Herr Wirr! Ich tunke gerade mein Zwergenbrot in Tünche und darf mich währenddessen mal wieder davon überzeugen, dass du den Perfektusbombastikus-Knall hast. Schade, mein Gebieter ruft mich gerade zur Toilette, wenn ich ihn los bin, les ichs nochmal! 😀

    • Wie war’s auf der Toilette? Ich hoffe doch, alles gut gelaufen! :mrgreen:

      Ein Löbchen aus deinchem Mündchen nehmchen ich anchen. Ich kann dir sagen: zum Glück stehen die Sterne heute günstig, die universellen Konstallationen ermöglichen den heutigen Freitag.

      • 3 phantadu

        sagen wirs so: meinen Gebieter habe ich nicht gefressen, wenn auch er bei mir nun endgültig ausgeschissen hat… 🙂 Freitag nützt mir leider nix… Wochenende, Freiheit und sowas römisch Dekadentes wie Freizeit ist nur was für Loser, sagt mein Gebieter.

      • Hahahaha!


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