Wer gewinnt?

02Apr16

„Schmeißt Steine ins Wasser, wer kommt weiter?“, sagt die Mutter.
Junge und Mädchen, beide etwa zehn, machen sofort mit. Sie geben einen ehrgeizigen Wettkampf, bis der Arm wehe tut.

Der Junge wirft weiter als das Mädchen. Das Ergebnis ist knapp aber eindeutig.
„Wer hat gewonnen?“, fragt der Junge nach einiger Zeit des Wettkampfs.
„Niemand, Ihr wart gleich.“, erwidert die Mutter.

Alle schweigen. Niemand ist glücklich. Auch nicht das Mädchen. Beide spüren jetzt den zuvor verdrängten Schmerz im Ellbogen. Es ist alles gleich, egal was man tut, denken sie.


Halb Voll

09Feb16

Schamyrha

Ich habe eine blaue Lippe. Rechts und links des Kiefers habe ich blaue Flecken. Auch am Oberarm, einen vorne, vier hinten. Jemand hat mich festgehalten. Jemand war grob zu mir. Jemand hat mir weh getan. Offensichtlich.

Das Problem ist, ich kann mich nicht erinnern. Ungefähr drei Stunden von Weiberfastnacht fehlen, sind ausgelöscht, bis auf das diffuse Gefühl, dass mir jemand weh tut. Natürlich, ich habe Alkohol getrunken. Ja, ich habe viel Alkohol getrunken. Ob es so viel war, dass ich einen Blackout habe? Ich bin geneigt mit „Nein“ zu antworten, doch das ist Mutmaßung. Ich habe – soweit ich weiß – keinen harten Alkohol getrunken, sondern ausschließlich Bier. Noch nie zuvor hatte ich eine solche Lücke. Dass ich nicht mehr alles so genau wusste, ja, das gab es schon, aber drei Stunden, die fehlen? Einfach weg sind? Noch nie.

Das erste, woran ich mich wieder erinnere ist, dass ich weine…

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Im LuxExpress Tallinn-Riga sitzt die junge Frida Kahlo in blond. Continue reading ‘Frida Kahlo in blond’


In der weitläufigen Weinstube sitzen Zwei. Ein alter Mann, der bei Kerzenschein eine Zeitung liest, und ich. Manche Tischreihe ist so lang, dass ihr Ende im Dunkel des Stubengehölzes verschwindet. Ich habe den kleinsten Tisch gewählt, mit vier Stühlen, mehr Gesellschaft als mich selbst erwarte ich nicht.

Ein Grauburgunder soll mir die Welt erklären.

Nach zehn Minuten fragt mich der Alte, ob er helfen könne. Ich sage, ich warte auf den Wirt. Er sagt, er ist der Wirt.


Im Tabakladen übergeht mich die Verkäuferin wegen eines Stammkunden. Im Vestibül der Sparkasse überholt mich ein junger Mann, um vor mir am Automaten zu sein, nachdem ich für uns beide die automatische Schiebetür, die um 16:00 Uhr bereits geschlossen ist, mit der Karte geöffnet hatte. Auf dem Bürgersteig überfährt mich ein alter Mensch auf seinem neuen Fahrrad, nur um mich anschließend bösartig auszuschimpfen, dass ich wie ein Ochse im Wege stünde.

In der Kleinstadt ist das Gift des menschlichen Unglücks nicht mehr als in der Großstadt, es ist nur konzentrierter. Ein Herz mit Hornhaut hilft. Obwohl … Nein, kein Obwohl.


heute war ein ereignisreiches Wetter. Die Freundlichkeit der letzten Tage war verschimmelt. Die Leute drehten durch.

„Dennis, KOMM JETZT!“, schreit sie hasserfüllt ihren Sohn an.
„‚dennis, komm jetzt'“, äfft eine alte Dame murmelnd nach. Sie murmelt nicht laut aber vernehmlich.

So geriet ich zwischen die Fronten eines Bitchfights. Ans Meer kann ich mich auch nicht erinnern.


Zwei junge Mütter schoben und polterten ihre Zwillingswagen durch die Tür eines Straßencafes. Die zahlreichen Gäste blickten besorgt aber wohlwollend gegen den zu eng erscheinenden Türrahmen des zu eng erscheinenden Cafes; wenn alle näher zusammenrückten und man eine Kellnerin entließe, würde es schon gehen. Continue reading ‘Der Tag, an dem Lothar Matthäus weinte’




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